Erste Anfänge

Die Ursprünge des musikalischen Wirkens in Sigmaringendorf finden sich in der Ortschronik von Hauptlehrer Karl Dehner wieder. Dieser erwähnt unter dem Jahr 1808, daß beim Skapulierfest eine zwölf Mann starke Kapelle mitwirkte und jeder Beteiligte von der Gemeinde mit 6 Kreuzern entschädigt wurde.

Ferner bestanden zwei Tanzmusiken, von denen jeweils eine im Adler und eine im Hirsch spielte. Die Besetzung bestand aus Streichbaß, zwei Geigen, zwei Klarinetten und einem Horn oder Trompete. Meist wurde frei nach Gehör gespielt. So beschreibt 1835 der damalige Schultheiß Martin Pröbstle die Feier einer goldenen Hochzeit unter Mitwirkung der Musik, die einen "denkwürdigen Verlauf" nahm.

Nachhaltig beeinflußt wurde die musikalische Entwicklung am Ort 1862 durch die Versetzung von Lehrer Josef Beck nach Sigmaringendorf. Dieser strebsame und talentierte junge Mann beherrschte mehrere Musikinstrumente und entwickelte das bisher erarbeitete Musikgut weiter. Neben kirchlichem Musizieren legte er großen Wert darauf, bei weltlichen Veranstaltungen eine gut geschulte Bläservereinigung einsetzen zu können. Die erste Gründung einer Musikvereinigung ließ daher nicht mehr lange auf sich warten...

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Gründungszeit (1872 - 1898)

1872 gründet Lehrer Josef Beck aus von ihm ausgebildeten Musikschülern die "Musikvereinigung Sigmaringendorf", aus der sich der heutige Musikverein bildete. Er stellt an sich und die Musiker sehr hohe Anforderungen, sodaß die Erfolge nicht lange auf sich warten lassen. Die Leistungen der noch jungen Vereinigung finden im weiten Umkreis Beachtung.

1885 wird die Musikvereinigung aufgelöst! Beck war darüber verärgert, daß bei einem Auftritt am fürstlichen Hof der Tenorhornbläser bei einem Solo keinen Ton herausbrachte. Ein Neider hatte anscheinend einen Zigarrenstummel in das Instrument gesteckt! Anschließend wurde nur noch bei Hochzeiten in kleiner Besetzung gespielt. Unter Schuhmacher Josef Linder wurde versucht, eine neue "Junge Musik" aufzubauen, doch die ersten Auftritte befriedigten nicht. Erst die Bestrebungen, die alten und jungen Musiker wieder zusammenzuführen brachten Erfolg.

1887 tritt die wiedervereinigte Kapelle zur Einweihung des neuen Rathauses mit großem Erfolg auf. Die Leitung hat erneut Lehrer Josef Beck.

1898 wird die Vereinigung in "Musikverein Sigmaringendorf" umbenannt und führt eine eigene Satzung ein.

1908 kommt es zu einem kleinen Rückschlag, da sechs verdiente Musiker der Werkskapelle der Fürstlich Hohenzollernschen Werke Laucherthal - einer Vorgängerin der heutigen Hüttenkapelle Laucherthal - beitreten. Umbesetzungen und Ausbildung junger Musiker werden notwendig und so können die entstandenen Lücken langsam geschlossen werden.

1925 gewinnt der neu gewählte Vorstand Johann Gulde den erfahrenen Musiker Fritz Häberle für das Amt des Dirigenten und dieser sorgt für einen weiteren Aufschwung. Er reorganisiert die Kapelle, baut sie weiter aus und sorgt für genügenden Nachwuchs. Unterstützung findet er durch Bürgermeister Stecher und den Gemeinderat. Die Kapelle erhält nun eine einheitliche Uniform und nimmt - nach anfänglichen Bedenken - erstmals Passivmitglieder auf.

1935 wird dem Musikverein Sigmaringendorf das 1. Bezirksmusikfest des Bezirkes Sigmaringen/Hohenzollern übertragen. 17 Kapellen nehmen teil, und der Musikverein stellt sich erstmals den Wertungsrichtern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: das Prädikat sehr-gut in der Oberstufe!

1945 wird der Verein auf Anordnung der französischen Militärregierung zwangsweise aufgelöst und politisch bereinigt. Gespielt wird nur noch auf auf strikte Anordnung der Besatzungsmächte.

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Nach dem Krieg (1947 - 1972)

1947 wird am 2. März an die französische Militärregierung ein Gesuch um Genehmigung der Neugründung des Vereins gestellt und diesem am 30. September entsprochen. Hermann Bayer - der sich schon längere Zeit um eine Neugründung bemühte - wird erster Vorsitzender, die musikalische Leitung übernimmt erneut Fritz Häberle. 22 ehemalige Musiker erklären sofort ihren Beitritt. Große Unterstützung beim Aufbau erfährt der Verein durch Bürgermeister Siebenrock und durch stark intensivierte Jugendausbildung erreicht der Verein schon bald wieder seine Vorkriegsstärke.

1949 erreicht der Musikverein beim Kreismusikfest in Laiz dank der intensiven Vorbereitung in der Oberstufe die Note "vorzüglich". Aus gesundheitlichen Gründen überträgt Dirigent Fritz Häberle die musikalische Leitung immer mehr seinem Stellvertreter Sepp Möhrle.

1955 feiert der Musikverein sein 75-jähriges Bestehen. Verbunden damit richtet der Musikverein auch das Jubiläum "145 Jahre Volksmusik" aus. Beim Festabend wird der Verein mit der Ehrenmedaille in Gold des Süddeutschen Volksmusikbundes ausgezeichnet. Am Festzug nehmen über 30 Vereine aus der nähren und weiteren Umgebung teil.

1958 legt Dirigent Sepp Möhrle sein Amt nieder. Sein bisheriger Stellvertreter Eugen Ruff wird Dirigent und baut die Leistungen der Kapelle weiter aus.

1971 Ein Höhepunkt im bisherigen Wirken des Musikvereins stellt die Verleihung der "Pro-Musika-Plakette" und der "Ehrenmedaille in Gold" des DVB im Rahmen eines auf hohem Niveau stehenden Gemeinschaftskonzertes mit der Musikkapelle Burladingen am 31. Oktober in der ausverkauften Festhalle in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste dar. Der Musikverein tritt dabei erstmals in der neuen Uniform auf.

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Nach 100 Jahren (1972 - heute)

1979 findet ein Doppelkonzert mit der Musikgesellschaft Wolfhalden/Schweiz in der Festhalle statt. Bürgermeister Maucher gibt bei einem Festakt auf dem "Hischplatz" die Übernahme der Patenschaft mit Rafaela/Argentinien bekannt. An einem bunten Abend in der Festhalle beteiligen sich die örtlichen Vereine und die argentinische Delegation.

1990/1991 erstmals findet ein Gemeinschaftskonzert mit der Hüttenkapelle Laucherthal statt. Willy Fischer und Hans Haimayer werden dabei für 40-jährige Mitgliedschaft mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Nach 3-jähriger Tätigkeit legt Dirigent Hans Speh jun. sein Amt nieder. Neuer Dirigent wird Peter Rehm aus Herbertingen, zugleich Aktivmitglied der Stadtkapelle Saulgau. Die Jugendarbeit wird intensiviert. In der Festhalle werden Rundfunkaufnahmen für die Sendung "Sang und Klang" des Südwestfunks gemacht.

1996 Auf Einladung der Volkstanzgruppe Várdomp, die 1995 beim Weinfest des Musikvereins auftrat, reisen die Musiker in Begleitung von Bürgermeister Henne mit dem Omnibus nach Ungarn. Auf dem Besuchsprogramm steht unter anderem Budapest, wo die Kapelle nach einem umfangreichen Besichtigungsprogramm ein Platzkonzert vor der herrlichen Kulisse der Fischerbastei gibt. Auch ein Ausflug in die Puszta und die Besichtigung der Wallfahrtskirche Hajós mit der bekannten Madonna vom Bussen (1726) dürfen nicht fehlen. Der Musikverein bedankt sich für die ihm gezeigte Gastfreundschaft mit einem sonntäglichen Platzkonzert und der Mitgestaltung des Gottesdienstes. Nach einem ausgedehnten Abschied geht es dann wieder auf die lange (16-stündige!) Heimreise.

1997 geht als das Jubeljahr in die Vereinsgeschichte ein. 125 Jahre Musikverein Sigmaringendorf können gefeiert werden! Bei einem Festakt am Samstagabend gratulieren dem Verein der Bezirksvorsitzende des Blasmusikverbandes Wolfgang Weißhaupt sowie der Bundestagsabgeordnete Dietmar Schlee. Der Musikverein hat sein anschließendes Festkonzert unter das Motto "Aus dem Notenarchiv..." gestellt. Am Sonntag wird dann in Sigmaringendorf das Bezirksmusikfest abgehalten. Ein besonderer Dank für die Hilfe an beiden Festtagen gilt dem Patenverein, der Hüttenkapelle Laucherthal.

2000 nach über 10 Jahren nimmt der Musikverein wieder einmal an einem Wertungsspiel teil. In Obernheim erreichte man mit den Stücken "Tokyo Adventure" und "Sorbische Tänze aus der Lausitz" in der Mittelstufe mit der Tagesbestleistung als einzige Kapelle in dieser Kategorie die Note sehr-gut!

2002 begleitet der Musikverein Sigmaringendorf Bürgermeister Henne und eine Abordnung der Gemeinde nach Argentinien. Anlass war die Feier der Stadtgründung Raffalelas vor 120 Jahren durch den Sigmaringendorfer Lehmann. Die Stadt Raffaela und die Gemeinde Sigmaringendorf blicken gleichzeitig auf 20 Jahre Städtepartnerschaft zurück.

2003 übergibt Peter Rehm das Amt des Dirigenten an Andreas Dangel, der uns musikalisch noch eine Stufe weiterbringt.

Im September 2005 reist der Musikverein einer Einladung folgend zum bekannten Billigheimer Purzelmarkt in die Pfalz. Dieses große Ereignis erinnert an die Verleihung der Marktrechte der Stadt Billigheim vor 555 Jahren und ist das älteste Volksfest der Pfalz. Ein Platzkonzert auf der Haupttribüne vor dem Billigheimer Rathaus fand viele begeisterte Zuhörer. Weiterer Höhepunkt war die Teilnahme am großen Festumzug.

2007 wird Dekan Erich Andriß in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Der Musikverein gestaltet die groß angelegte Abschiedsfeier feierlich mit und verabschiedet sich auf seine Weise von einem begeisterten Anhänger des Musikvereins. Zum Abschied lassen wir ihn sogar den Taktstock schwingen.

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